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Aktuelle Zahntrends
Volkskrankheit Paradontitis
Der Zahnärztekammer-Vizepräsident OMR Dr. Erwin Senoner bringt es auf den Punkt: „Paradontitis eine Modekrankheit? Nein! Mögliche Auswirkungen wie Herztod oder eine Frühgeburt bei Schwangeren können nicht als Modekrankheit herhalten. Wenn Sie heute sämtliche Zahnfleischtaschen bei einem durchschnittlichen Paradontitis-patienten weg- und aufschneiden würden, würde man die Fläche einer Stirn bekommen. Und das ist eine infizierte Fläche im Körper." |
Dr. Walter Wadsak: „Das Erkennen der Zahnfleischerkrankungen muss stark intensiviert werden! Ich bin auch überzeugt, das wird sicherlich auch in den Kassenvertrag kommen."
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Drei von vier Menschen leiden irgendwann einmal in ihrem Leben an einer Paradontitis. Dr. Christian Zinn-Zinnenburg, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: „Bei einer Routineuntersuchung müsste jeder Arzt aufgrund der Röntgenbilder und der Vermessung des Zahnfleischs, also per Sondenvermessung, das Symptom einfache Entzündung, Paradontitis oder schwerstverlaufende Paradontalerkrankung erkennen und diagnostizieren. Auf dem Röntgenbild hat man den ersten Verdacht, dann misst man weiter."
In der Praxis kommt das aber nicht automatisch vor. Warum tun das nicht alle? Zinn-Zinnenburg kann nur eine Vermutung anstellen: „Die Paradontalbehandlung ist eine intensive, anstrengende Tätigkeit für den Arzt. Eine zielgerichtete Behandlung ist zeit-, kraft- und energieaufwendig- und damit vielleicht nicht bei jedem beliebt. Außerdem erfordert das auch eine entsprechende Vorbildung, die sehr umfangreich ist. Die Grundlagen der Mikrobiologie müssen verstanden, die Basistherapie der Prophylaxe muss beherrscht werden und drittens kommen die chirurgischen Regenerationstherapien hinzu." Wahrscheinlich gibt es deswegen auf diese Behandlung spezialisierte Ordinationen, die einen regen Zulauf haben, da normale Zahnärzte die Behandlung von Paradontitis gerne auslagern. Zinn-Zinnenburgs Fachgebietskollege Dr. Walter Wadsak ergänzt: „Die Häufigkeit der Erkrankungen des Zahnfleischs ist sehr hoch, sie liegt bei rund 70 Prozent. Oft handelt es sich dabei um die so genannte Altersparadontitis, also eine chronische Paradontitis. Eine Krankheit, die nicht diagnostiziert wird und über Jahrzehnte verläuft. So um das fünfte, sechste Lebensjahrzehnt eines Menschen ist eine Häufung der Fälle zu verzeichnen." Wadsak fordert daher: „Das Erkennen der Zahnfleischerkrankungen muss stark intensiviert werden! Das muss man machen. Ich bin auch überzeugt, das wird sicherlich auch in den Kassenvertrag kommen und der Arzt wird es entweder selbst machen oder jemand empfehlen. Und wenn Sie mich auf die Kosten einer Paradontal-Basisuntersuchung ansprechen: ich halte 15 Euro für diese Untersuchung für machbar."
Eine Behandlung eines „Regelpatienten", also der Durchschnittspatient, dauert zwei, drei Monate und inkludiert fünf bis sechs Arztbesuche. Zinn-Zinnenburg: „Und das ist das Problem mit den Kurgeschichten im Ausland, das funktioniert so nicht. Das geht nicht so schnell weg. Da muss man konsequent sein und die Behandlungen einhalten." Die Kosten liegen für solche Patienten laut seinen Ausführungen zwischen 1.000 und 3.500 Euro.
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