Zahnprothesen - Zahnersatz, Gebiss

Wenn einem Menschen alle Zähne in einem Kiefer verloren gegangen sind, ist eine Zahnprothese als Vollprothese, im Volksmund auch Gebiss genannt, notwendig. Sie ist ein künstlicher Ersatz für die Funktion der natürlichen Zähne. Alternativ können Zahnimplantate eingesetzt werden, diese Möglichkeit wird aber aufgrund der hohen Kosten und der langen Behandlungsdauer selten genutzt. Ein Leben ganz ohne Zähne ist bei uns nicht vorstellbar, da es mit erheblichen Sprech- und Kauproblemen verbunden ist. Die Lebensqualität wird durch die fehlende Ästhetik massiv gemindert.

Der Verlust der Zähne kann durch einen Unfall oder krankheitsbedingt, zum Beispiel durch Karies oder Parodontitis verursacht sein. Während früher durch mangelnde Zahnpflege und schlechtere Behandlungsmethoden häufig Zähne verloren gingen oder gezogen wurden, versuchen Zahnärzte heute möglichst lange, die eigenen Zähne zu erhalten. Erst wenn dies nicht mehr möglich ist, werden zuerst Teil- und später Totalprothesen eingesetzt.

Herstellung von Zahnprothesen nach dem Ziehen der letzten Zähne

Es gibt zwei Varianten der Herstellung von Zahnprothesen. Im Normalfall wird nach dem Entfernen der letzten eigenen Zähne, die in den meisten Fällen zuvor von Teilprothesen unterstützt wurden, eine Vollprothese angefertigt. Dazu werden Abdrücke vom Kiefer genommen und die Zahnprothese in Größe, Form und Farbe individuell auf den Patienten abgestimmt. Nach der Fertigstellung wird die Zahnprothese genau an den Kiefer angepasst.

Insgesamt benötigt der Zahnarzt mindestens sieben Sitzungen, bis die Zahnprothese optimal und komplett im Mund sitzt. Die Behandlung zieht sich über 5-7 Wochen hin. Wichtig ist, dass der Kiefer erst vollständig abheilen muss, da die Zahnprothese durch Schwellungen sonst nicht mehr passen würde. Damit verbunden ist der Nachteil, dass der Patient während der Heilungsphase und der späteren Produktion der Zahnprothese zeitweise ohne Zähne leben muss.

Immediatprothese als Zahnersatz

Die zweite Variante in der Prothesenherstellung ist die Produktion einer Immediatprothese. Die Immediatprothese ist eine Sofortprothese, die es dem Patienten erspart, auch nur vorübergehend ohne Zähne zu sein. Deshalb wird schon im Voraus eine Zahnprothese angefertigt, die dann unmittelbar nach der Entfernung der Restzähne eingegliedert wird. Während der Ausheilungsphase dient sie außerdem als Verbandplatte, was ein weiterer Vorteil der Immediatprothese ist. Nach der vollständigen Ausheilung wird die Zahnprothese dann erneuert oder zumindest unterlegt, damit sie optimal passt.

Ob eine klassische Zahnprothese nach Entfernung der Zähne oder eine Sofortprothese angewandt wird, entscheidet der Zahnarzt gemeinsam mit dem Patienten. Dabei spielen der Krankheitsverlauf, die persönliche Lebenssituation und auch der finanzielle Spielraum eine Rolle. Denn eine Immediatprothese ist deutlich teurer.

Vollprothesen sind als Gebiss herausnehmbar

Alle Vollprothesen sind herausnehmbar und nicht dauerhaft im Mund befestigt. Sie bestehen aus einer Prothesenbasis aus Kunststoff, auf der die künstlichen Zähne angebracht sind. Sie saugen sich durch Unterdruck an der Schleimhaut und am Kiefer fest. Leider ist dies je nach Mundform und Knochenlage nicht immer optimal zu gewährleisten. Dabei bereitet die Unterkieferprothese wesentlich häufiger Probleme als die Oberkieferprothese. Diese kann sich durch die größere Auflagefläche besser am Gaumen festsaugen, während die Unterkieferprothese durch die Bewegungen der Zunge und die kleinere Auflagefläche häufig Probleme verursacht.

Bei der Herstellung der Zahnprothese ist daher eine genaue Abformung des Kiefers unter Beachtung der natürlichen Bewegungsabläufe notwendig, um sicherzustellen, dass möglichst an keiner Stelle Luft zwischen die Zahnprothese und das Prothesenlager (der Bereich, auf dem die Zahnprothese aufliegt) gelangen kann.

Besonders wichtig für die Entstehung des notwendigen Vakuums ist die korrekte Abformung des Prothesenrandes. Dies erhöht die Haftfähigkeit der Zahnprothese. Ob ein optimales Vakuum entstanden ist, kann an den Zähnen überprüft werden. Bei Druck auf einzelne Zähne sollte sich die Zahnprothese nicht lockern. Es ist sehr wichtig, das die Zähne optimal nach der individuellen Bisshöhe und Bisslage ausgerichtet sind, damit der Druck beim Kauen richtig verteilt wird. So werden Druckstellen verhindert. Wenn trotz optimaler Abformung kein Saugeffekt entsteht, kann mit der Einsetzung von 2-4 Implantaten, an denen die Zahnprothese befestigt wird, Abhilfe geschaffen werden. Gerade im Unterkiefer ist dies manchmal notwendig.

Haftcremes für das Gebiss

Im Handel werden außerdem verschiedene Haftcremes angeboten, die die Haltbarkeit der Zahnprothese erhöhen sollen. Dies ist als Zwischenlösung bei beginnender Prothesenlockerung durchaus denkbar, als Dauerlösung aber ungeeignet. Wenn Haftcremes eingesetzt werden, sollte der Kiefer unbedingt täglich gründlich gereinigt werden, damit keine Entzündungen auftreten. Versuche die Haftfähigkeit der Zahnprothesen mit Saugnäpfen und Magneten zu erhöhen, sind in der Vergangenheit gescheitert. Heute wird hauptsächlich durch eine perfekte Passform versucht, das Gebiss am Kiefer haften zu lassen. Bei einer optimalen Kieferform halten gut angepasste Vollprothesen häufig auch ohne zusätzliche Hilfsmittel sehr gut.

 
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