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Pulpitis

Aus der Karies wird eine Pulpitis:

Zur Zahnmarkentzündung (Pulpitis) kommt es unweigerlich, wenn die Karies nicht früh genug entdeckt wurde. Die Bakterien und ihre Giftstoffe gelangen in die Pulpa, die keine Chance hat, sich dieses Angriffes zu erwehren. Abhängig von der Aggressivität der Eindringlinge wird der Abwehrkampf der Pulpa sehr schnell zur Niederlage. Diese Vorgänge können in wenigen Stunden abgeschlossen sein. In dieser Zeit treten schubweise spontan heftige Zahnschmerzen auf, die dann plötzlich ganz verschwinden. Dies ist das sichere Zeichen, dass die Nerven im Zahnmark durch den Entzündungsprozeß zerstört wurden. Die restlichen Gewebe der Pulpa erliegen dem gleichen Schicksal nur wenig später.

Die weitere Entwicklung kann unterschiedlich schnell ablaufen. In manchen Fällen dehnt sich die Entzündung gleich weiter über die Wurzelspitze des Zahnes in den Desmodontalspalt aus. Während am Zahn bisher nur spontan Schmerzen auftraten, lassen sich in dieser Phase Schmerzen bei Belastung des Zahnes auslösen. Man hat das Gefühl, als sei der Zahn länger geworden. Dies trifft tatsächlich zu. Durch die Entzündung an der Wurzelspitze entsteht hier eine Schwellung (Ödem), die den Zahn aus dem Zahnfach (Alveole) herausdrückt. Beim Zusammenbeißen der Zähne wird der Druck im Entzündungsgebiet erhöht, was zu sehr unangenehmen Schmerzen führt. Wenn man es genau nimmt, ist es schon nicht mehr der Zahn, der jetzt die Schmerzen verursacht, da die Pulpa des Zahnes bereits abgestorben ist. Schmerzen entstehen durch die Entzündung im Desmodontalspalt um die Wurzelspitze des Zahnes herum.

Die Entzündung an der Wurzelspitze lässt sich durchaus mit einer „kriegerischen Auseinandersetzung“ zwischen Körperabwehrzellen und Bakterien vergleichen. Die bei der „Auseinandersetzung“ (Entzündung) zerstörten Bakterien und Körperabwehrzellen werden zu Eiter und fauligen Gasen. Da der Abfluss dieser Bestandteile über die Pulpahöhle meistens durch erweichtes Zahnhartgewebe im kariösen Defekt verlegt ist, stauen sich der Eiter und die Gase im begrenzten Raum um die Wurzelspitze. Es baut sich hier ein kräftiger Überdruck auf, der den Schmerzgeplagten „die Wände hochgehen“ lässt. Gegen diese quälenden Schmerzen versagen alle Schmerzmittel. Der Gang zum Zahnarzt ist die einzig sinnvolle Maßnahme, da er in Sekundenschnelle Erleichterung schaffen kann. Ohne Betäubung (die Pulpa ist ja schon längst ab gestorben) bohrt er ein großes Loch in die Zahnkrone und räumt die kariösen Zahnanteile weg, so dass die unter Druck stehenden Entzündungsprodukte um die Wurzelspitze herum nun durch den Zahn abfließen können. Der Schmerz lässt nach, was sich durch kräftiges Saugen am eröffneten Zahn noch beschleunigen lässt.

Die Entstehung der "dicken Backe":

In einigen Fällen entsteht bei den heftigen Entzündungsvorgängen an der Wurzelspitze in kurzer Zeit soviel Eiter, dass sich diese Mengen beim versperrten Weg durch den Zahn einen Abfluss durch den Knochen suchen. Die der Außenseite des Knochens aufliegende, straffe Knochenhaut wird erreicht. Durch die Eiteransammlung wird sie vom Knochen abgehoben, gerät unter Spannung und verursacht starke Schmerzen. In dieser Phase lässt sich manchmal bereits eine schwache Schwellung im Gesicht, die dicke Backe, erkennen. Die Entzündung hat inzwischen ein solches Ausmaß erreicht, dass durchaus auch Auswirkungen auf den ganzen Körper auftreten können. Bakterien werden in die Blutbahn ausgeschwemmt und verursachen so einen Anstieg der Körpertemperatur auf fiebrige Werte. Der Patient fühlt sich richtig krank und ist von Schmerzen gepeinigt. Plötzlich klingen diese Schmerzen ab, da die Knochenhaut unter der starken Spannung der zunehmenden Eitermenge einreißt, und sich der Eiter nun in die Weichteile der Wange ergießt. Ein Spannungsgefühl in der Wange ist zwar noch immer vorhanden, doch ist dieser Zustand für den Patienten erträglicher, obwohl er nach wie vor fiebrig ist und sich krank fühlt.

Die Entstehung der dicken Backe ist hier auf dem direktesten Weg dargestellt worden. In Wirklichkeit gibt es zu diesem durchaus vorkommenden Ablauf noch eine ganze Reihe von Variationen. So kann zwischen dem Absterben der Zahnpulpa und dem Auftreten der Empfindlichkeit des Zahnes beim Zubeißen ein Zeitraum von Monaten oder Jahren liegen. Auch eine Pulpitis muss nicht immer so heftig ablaufen, dass es zu den starken Schmerzen kommt. Gar 150 nicht so selten sterben Zähne mit großen kariösen Defekten völlig unbemerkt ab, um geraume Zeit später vielleicht zu den beschriebenen Symptomen zu führen. Eine Vorhersage, wann und wie ein abgestorbener, unbehandelter Zahn mit stummen Entzündungsvorgängen an der Wurzelspitze akut wird, lässt sich nicht machen, so dass, wenn ein solcher Zustand zufällig entdeckt wird, diese „Zeitbombe“ auf jeden Fall „entschärft“ werden sollte, auch wenn es bisher noch nie Probleme gegeben haben mag.

 

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