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Oralphobie - Angst vorm Zahnarzt

Mancher lässt lieber die Zähne abfaulen, als sich vom Zahnarzt in den Mund schauen zu lassen. Hypnose und Verhaltenstherapie können helfen.

Angst vorm ZahnarztBei etwa jedem siebten Deutschen löst der Gedanke an den nächsten Zahnarztbesuch Panik aus. Sie bekommen Herzrasen, Schweißausbrüche oder Schwindelanfälle. Sie wissen, dass sie sich behandeln lassen müssten, trauen sich aber aus Angst nicht in die Praxis. Diese Menschen leiden unter einer Oralphobie. Manche von ihnen gehen über Jahre nicht zum Zahnarzt. Lieber verlieren sie Zähne, kämpfen mit Mundspray gegen den Geruch der Bakterien, meiden aus Scham mitunter jeden sozialen Kontakt. Keine andere ärztliche Maßnahme ist so sehr mit Angst besetzt. Doch die kann überwunden werden - mit Hilfe zahnärztlicher Hypnose oder Verhaltenstherapie:

Zahnärztliche Hypnose

Mittlerweile haben 1400 Zahnärzte in einer Zusatzausbildung der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH) gelernt, wie sie ängstliche Patienten mit Worten und manchmal mit Musik in einen Zustand zwischen Wachen und Schlafen versetzen.

Die Behandlung beginnt in der Regel mit einem Vorgespräch. Der Arzt erklärt, dass bei der Hypnose Atmung, Puls und Kreislauf langsamer werden, die Muskelspannung nachlässt, der natürliche Reflex aber erhalten und der Patient somit ansprechbar bleibt. Der schildert, was Behandlungsstuhl, Betäubung und Bohrer in seinem Kopf auslösen und wann die Panik wächst. Das Gefühl der Gefährdung schwillt fast immer am stärksten an, wenn der Bohrer sirrt.

Schon mit diesem Vorgespräch hat die Hamburger Zahnärztin Dagmar Dreeßen Erfolg: Die Hälfte ihrer Angstpatienten entscheidet sich anschließend für eine Behandlung ohne Hypnose. „Sie wissen, dass ich diese Technik beherrsche, das beruhigt sie. Und gleichzeitig hat sich Vertrauen aufgebaut." Die andere Hälfte lässt sich in Trance versetzen und entscheidet meistens auch gleich, dass die Zahnbehandlung unterdessen beginnen kann. „Während der Hypnose frage ich dann noch einmal, und wenn ich das Okay bekomme, beginne ich", sagt die Zahnärztin.

Beim nächsten Termin genügen oft einige Worte, um den Patienten erneut in Entspannung zu versetzen. Die Behandlung kann ohne Hypnose beginnen.

Für eine Hypnosesitzung berechnen Zahnärzte zwischen 20 und 300 Euro. Eine Liste der Ärzte, die eine hypnotische Zahnbehandlung anbieten, ist im Internet unter www.dgzh.de zu finden.

Verhaltenstherapie

"Therapien gegen Zahnbehandlungsangst" heißt ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das die Wuppertaler Psychologieprofessorin Gudrun Sartory und der Zahnarzt Peter Jöhren leiten. Die erste Erkenntnis: Eine Psychotherapie hilft bei 70 Prozent aller Zahnbehandlungsphobiker.

In seiner Bochumer Praxis arbeitet Jöhren mit der Verhaltenstherapeutin Tanja List zusammen. Die 34-Jährige macht mit dem Patienten ein Angst-Bewältigungstraining im Kurzprogramm, nach drei Terminen geht es dann zur Behandlung.

In der ersten Sitzung wird die Angst analysiert: Was genau fürchtet der Patient, was könnten die Gründe dafür sein, wie lange war er nicht beim Zahnarzt? Und wie wirkt die Angst auf Gedanken, Körper und Verhalten? Zu Hause und später während der zweiten Sitzung übt der Patient mit Hilfe einer CD Progressive Muskelentspannung. Außerdem erarbeiten Therapeutin und Patient so genannte Hilfreiche Gedanken, etwa die Freude darauf, wieder ohne Scham lächeln zu können.

Anschließend konfrontiert Tanja List den Phobiker mit der schlimmsten Situation, die er sich vorstellen kann. In einer Trockenübung, einer „Konfrontation in sensu", wird etwa eine Betäubung durchgespielt: das Setzen der Spritze, die körperlichen Reaktionen darauf. Der Patient soll versuchen, trotzdem zu entspannen. In der Nachbesprechung arbeiten beide heraus, wann und wie stark er den Körper dennoch anspannte.

Beim dritten Therapietermin zeigt Tanja List ein Video, das die anstehende Zahnbehandlung aus der Perspektive des Patienten zeigt: Die Kamera fährt rückwärts nach unten, die Lampe geht an, ein Mann mit Mundschutz erscheint. Er prüft den Zustand aller Zähne, weist eine Helferin an, führt den Bohrer in den geöffneten Mund. Wieder soll der Patient, so gut er kann, entspannen - mit Hilfe der Techniken, die er zuvor erlernt hat.

Die zahnärztliche Verhaltenstherapie wird von den meisten Krankenkassen bezahlt.

Im Internet finden Sie einen Fragebogen, mit dem Sie das Ausmaß Ihrer Angst bestimmen können: www.zahnklinik-bochum.de.

 

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