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Kranke Zähne
Die Karies
(In mehreren Jahren vom unerkannten Zahndefekt bis zur dicken Backe)
Die Kariesentstehung:
Zahnkaries (Karies = Erweichung von Hartgewebe) entsteht durch den Kontakt von Säuren mit der Schmelzoberfläche. Beim Kontakt der Säuren mit dem Schmelz der Zähne werden Schmelzkristalle aus dem Zahn gelöst. Dadurch entsteht eine für die Zunge spürbar rauhe Oberfläche, die vom Patienten als pelzig beschrieben wird. Da die Zähne ständig vom Speichel umspült werden, können die "Mikroschäden" der Schmelzschicht mit den im Speichel gelösten Bestandteilen wie Kalzium, Phosphat und Fluorid wieder aufgefüllt und repariert werden.
So schön dieser Schmelzausheilungsmechanismus (Remineralisationsprozess) auch ist, unter bestimmten Bedingungen kann der Anfangsschaden im Schmelz leider nicht ausheilen. Dies ist der Fall, wenn die zur Reparatur benötigten Bausteine aus dem Speichel gar nicht an den entstandenen Schaden herankommen können, weil ihnen der Zutritt zum Zahn durch eine dicke Plaqueschicht verwehrt wird.
Die Fissurenkaries:
Eine besondere Schwachstelle am Zahn für die Kariesentstehung liegt auf der Kaufläche der Seitenzähne. In der Kaufläche sind Furchen, so genannte Fissuren, an denen die Höcker der Zähne bei ihrer Entstehung zusammengewachsen sind. Die Fissureneingänge sind sehr schmale Spalten, die für Bakterien allerdings kein Hindernis darstellen. Deshalb können sie sich sehr geschützt in der Tiefe der Fissur einnisten und sind vom Menschen hieraus nicht mehr zu entfernen. Auch zum Auswaschen durch den Speichel kommt es nicht, da er wegen seiner Zähigkeit nicht in die Fissur eindringt. So ist es möglich, dass in der Fissur jahrelang Säuren entstehen, die zur Schmelzzerstörung in diesem Bereich führen.
Natürlichen Schutz vor der Fissurenkaries bietet nur das sehr schnelle Abkauen der Zahnhöcker bis in die Tiefe der Fissur hinein, so wie dies noch bei unseren Vorfahren vor einigen Jahrhunderten aufgrund der vielen Schmirgelkörper in der Nahrung stattfand. Da dies wegen der Beschaffenheit heutiger Nahrungsmittel nicht mehr möglich ist, lässt sich die Fissurenkaries nur durch das künstliche Verschließen der Fissureneingänge (Fissurenversiegelung) mit Füllwerkstoffen erreichen.
Die Zahnseitenkaries:
Während die Fissurenkaries heute überwiegend die Karies der Kinder bis zum sechzehnten Lebensjahr ist - bis dahin sind dann meist alle Fissuren durch Füllungen verschlossen -, überwiegt von diesem Alter an die Zahnseitenkaries (Approximalkaries). Sie kann an der Seitenfläche des Zahnes nur entstehen, da sich Plaque an diese Flächen der Zähne anlagert, dort, wo vorderer und hinterer Zahn aneinanderstoßen.
Die Plaqueanlagerung wird aus zwei Gründen möglich:
- Das Zahnfleisch zwischen den Zähnen (die Papille) zieht sich zurück und macht Platz für die Plaque, und
- eine spezielle Zahnzwischenraumpflege wird nicht oder nur unzureichend betrieben.
Natürliche Reinigungsmechanismen bestehen in diesen Zahnbereichen nicht, so dass Plaque ungestört anwachsen kann und mit Leichtigkeit über Jahre hier verweilt. Der ständigen Säurebelastung ist der Schmelz nicht gewachsen. Die oberflächigen Schmelzkristalle werden herausgelöst (beginnende Karies = Initialkaries). Selbst wenn in diesem Stadium die Plaque einmal gründlich entfernt würde, hätte der Schmelz nur geringe Chance auszuheilen, weil durch die angerauhte Schmelzoberfläche eine schnelle neue Plaqueanlagerung möglich wird.
In der Regel dauert es einige Monate bis Jahre, bis die gesamte Dicke der Schmelzschicht unterhalb des Berührungspunktes (Kontaktpunktes) der zwei benachbarten Zähne ganz von den Bakterien durchdrungen ist. Sobald die Dentinschicht erreicht ist, breitet sich die Karies im weniger harten Dentin schnell aus. Da die Dentinschicht eines Zahnes in diesem Bereich dicker als der Schmelzmantel ist, benötigt die Karies meist noch geraume Zeit (ein bis vielleicht fünf Jahre), bis sie kurz vor der Pulpa steht.
Das Auftreten von Zahnschmerzen:
Zahnschmerzen können bei der Karies erstmals auftreten, sobald das Dentin freigelegt ist. Meistens werden Schmerzen dann durch äußere Reize am Zahn verursacht. Ein Spontanschmerz in diesem Stadium ist selten. Schmerzen lassen sich durch hoch zuckerhaltige Getränke oder Speisen auslösen. Auch wenn Nahrungsstücke in einen kariösen Defekt gepresst werden (überwiegend bei Fissurenkaries) treten Schmerzen auf. Genau dieser Vorgang läuft ab, wenn der Zahnarzt mit seiner Sonde auf die Kaufläche drückt, um zu prüfen, ob sie hart, d. h. kariesfrei, ist. Da der Schaden bei der Fissurenkaries die Schmelzdecke unterhöhlt, brechen die nicht mehr getragenen Schmelzanteile unter dem Sondendruck ein. Die Sonde fährt in das erweichte, kariöse Dentin, das häufig eine Härte aufweist wie Holz, welches über Monate in einem Tümpel gelegen hat. Beim Eindringen der zahnärztlichen Sonde in das erweichte Dentin entsteht hier ein Druck, der den einschießenden Schmerz erzeugt.
Für den Zahnarzt gibt es außer dem Test mit der Hartgewebssonde leider keine andere Möglichkeit, das Vorhandensein von Fissurenkaries sicher auszuschließen, da der Defekt unter einer anscheinend intakten Schmelzdecke entsteht. Auch die dunkle Färbung in der Fissur ist kein sicheres Zeichen für einen kariösen Defekt, so dass auf den vom Patienten ungeliebten Einsatz der zahnärztlichen Sonde leider nicht verzichtet werden kann, wenn nach Karies an den Zähnen gefahndet wird.
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